Pressemappe zum DGKJP Kongress
22. - 25.04.2026 Congress Centrum Würzburg
Als Vertreter:in der Presse können Sie sich kostenlos für den DGKJP Kongress 2026 in Würzburg akkreditieren.
Zu jedem der Schwerpunkthemen des Kongresses "Entwicklungsaufgaben: Kind – Versorgung - Gesellschaft" finden Sie hier kurz vor dem Kongress zitierbare Statements unserer Expert:innen.
Schwerpunktthema Kind
Stellungnahmen der DGKJP
- Die Nutzung digitaler Medien und psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen
- Kinderschutz und Kinderrechte
Highlights auf dem Kongress
- 22.04. 10:30 - 12:00 "Screen Savers: Protecting Adolescent Mental Health in a Digital World" (Speaker: Prof. Amy Orben)
Schwerpunktthema Versorgung
Stellungnahmen der DGKJP
- Forderungen zur Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendpsychiatrie
- Wie kann eine Steuerung in der Versorgung psychisch kranker Kinder und Jugendlicher aus Sicht der KJPP gelingen?
Highlights auf dem Kongress
- 22.04. 15:00 - 16:30 Unverstanden - Missverstanden? Long Covid bei Kindern und Jugendlichen (Speaker: Prof. Dr. Uta Behrends)
- 23.04. 10:30 - 12:30 Beste Versorgung der Welt – Kränkste Kinder der Welt? (Speaker: Dr. Marianne Klein)
- 23.04. 11:00 - 12:00 KI-basierte Gesundheitsversorgung und -forschung (Speaker: Prof. Dr. Stefan Ehrlich)
Schwerpunktthema Gesellschaft
Stellungnahmen der DGKJP
Highlights auf dem Kongress
- 24.04. 10:30 - 12:00 Ein Herz für Kinder - eine Gesellschaft gegen Kinder? (Speaker: Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani)
Zitierbare Statements unserer Expert:innen
Nutzung digitaler Medien und psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen
„Chancen und Risiken bei der Nutzung digitaler Medien durch Kinder und Jugendliche hängen von ihrem Alter und ihrem Entwicklungsstand ab. Das gilt auch und gerade im Hinblick auf ihre psychische Gesundheit. Bei möglichen Regulierungen der Mediennutzung ist daher entscheidend, genau hinzusehen.“
„Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Teilhabe und ein Recht auf Schutz. Beides muss auch in der digitalen Welt gelten.“
„Besonders wichtig ist, dass Kinder im Alter von 0 bis 3 Jahren keine digitalen Medien nutzen, im Alter von 4 bis 5 Jahren maximal eine halbe Stunde und das nicht allein.“
„Mediennutzung sollte in allen Vorsorgeuntersuchungen angesprochen werden – inklusive geschulter Kurzberatung.“
„Wir brauchen die konsequente Umsetzung des Kinder- und Jugendschutzes durch die Anbieter digitaler Medien entsprechend dem Digital Services Act (DSA), Altersgrenzen ebenso wie Altersverifikation und eine unabhängige staatliche Stelle, die diese Altersgrenzen bewertet. Um evidenzbasierte Forschung zu stärken und weiter auszubauen, ist Begleitforschung unabdingbar. Unsere Kinder und Jugendlichen brauchen in der digitalen Welt Schutz, um gesund aufzuwachsen.“
„Medienkonsum allgemein – nicht nur die sozialen Medien – ist das neue Rauchen. Viele Kinder bewegen sich dadurch weniger und werden adipös – er hat also gesundheitsgefährdende Folgen. Speziell soziale Medien fördern im Jugendalter depressive und ängstliche Symptome sowie den Wunsch nach Gewichtsverlust und Abnehmen, was eine Essstörung auslösen kann. Wir sehen zudem in der Klinik, was Kinder sich auf dem Handy so alles anschauen: Gewaltszenen, sogar Kinderpornografie. Sie erleben sexuelle Anmache, sogar Drogen werden angeboten. Wir haben schon 13-jährige behandelt, die von 17-jährigen drogenabhängig gemacht worden sind über soziale Medien.“
„Bei TikTok wimmelt es von Falschinformationen zu psychischen Problemen. Gerade Mädchen im Jugendalter sind besonders anfällig dafür, sich deshalb Sorgen zu machen und sich durch die Sorgen und Probleme anderer anstecken zu lassen. Sie lesen von einem Symptom und denken dann schnell, sie könnten deshalb auch an einer psychischen Erkrankung leiden.“
Kinderschutz und Kinderrechte
„Die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen müssen ressortübergreifend mitgedacht und alle Gesetzes- und Forschungsvorhaben systematisch auf ihre Auswirkungen auf Kinder überprüft werden. Nur so kann es gelingen, die Lebensrealität von Kindern und Jugendlichen so zu gestalten, dass sie gesund aufwachsen können.“
„Die Studienergebnisse der COPSY-Studie (Child Outcomes in PSYchology) des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) zeigen erneut dass die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen immer noch schlechter ist als vor der Corona-Pandemie. Für die translationale Forschung zur Verbesserung der mentalen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, aber auch im Sinne der Prävention und hinsichtlich gemeinsamer Risikofaktoren von körperlicher wie psychischer Gesundheit sind die zwei neuen Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung sehr wichtig“
„Die anhaltend hohen psychischen Belastungen von Kindern und Jugendlichen unterstreichen deutlich die Notwendigkeit zur Entwicklung neuer Ansätze der Früherkennung und wirksamer niederschwelliger Interventionen. Dabei besteht wissenschaftliche Gewissheit: Die Verbesserung der mentalen Gesundheit im Kindesalter ist eine der stärksten Maßnahmen zur Prävention von psychischen Erkrankungen über die gesamte Lebensspanne“
„Kinder und Jugendliche wachsen in dem heutigen Umfeld multipler globaler Krisen nicht ohne Folgen auf. Die Mental Health Crisis beschreibt, wie junge Menschen psychisch immer stärker unter Druck geraten in einer Gesellschaft, die von alten Menschen gelenkt und definiert wird. Unbeschränkte digitale Medien hebeln den Schutz und gesundes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen aus. Die Inanspruchnahme bringt die Versorgungssysteme an ihre Grenzen. Prävention bleibt in der Breite weitgehend wirkungslos aufgrund mangelnder Evidenzbasierung und struktureller Hindernisse. Wir brauchen neue Versorgungsansätze und müssen uns den wachsenden Anforderungen interdisziplinär stellen. Beim DGKJP Kongress 2026 in Würzburg diskutieren wir, wohin wir uns dafür strukturell und konzeptuell bewegen müssen. Der Kongress bietet ein breites Forum für Diskussionen auf der Basis der neuesten Erkenntnisse und Ansätze aller beteiligten Disziplinen.“
„Hinsichtlich ihrer mentalen Gesundheit geht es Kindern und Jugendlichen heute nicht schlechter als vor 20 Jahren. Dass sie während der Pandemie mental belastet waren, als sie zu Hause bleiben mussten, ist klar belegt. Ohne Kindergarten und Schule, Spielplätze, Sport und Treffen mit Freunden sind depressive und Angst- sowie Essstörungen deutlich angestiegen. Aber: Die Zahlen haben sich danach wieder normalisiert. Wir können deshalb sagen, dass Kinder und Jugendliche gezeigt haben, dass sie und ihre Familien mit sogar schweren Belastungen umzugehen gelernt haben, also Resilienz aufweisen.“
Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen
„Die mentale Gesundheit ist das zentrale Kinder- und Jugendgesundheitsthema in Deutschland. Ein Fünftel aller jungen Menschen zeigt Belastungen. Versorgung und Prävention müssen dringend weiterentwickelt werden.“
„Angesichts des Fachkräftemangels und knapper finanzieller Ressourcen geht es nicht um ein einfaches „Mehr“ in der Versorgung, sondern um verbesserte Kooperation zwischen den Systemen und Sektoren, damit ein „Besser“ in der Zukunft entsteht.“
„Wir brauchen kreative und evidenzbasierte neue Ansätze, die Kindern in ihrem eigenen Lebenskontext helfen: in der Familie, Kindergarten und Schule, Jugendhilfe und im Netz!“
„Derzeit überlasten Kinder und Jugendliche mit geringen Symptomen das System, den schwerer Erkrankten werden so Behandlungsmöglichkeiten entzogen. Außerdem zeigen aktuelle Daten, dass oft falsch diagnostiziert und zu lange behandelt wird. Zum Beispiel: 15- bis 17-jährige, gut gebildete Mädchen werden eher überbehandelt, Jungen aus sozial schwachen Verhältnissen zu selten.“
Thema Sucht / Cannabis
„Während die Zahl der Konsumierenden zwar insgesamt stabil bleibt, ist der Anteil derjenigen mit schädlichen oder abhängigen Konsummustern gestiegen – insbesondere bei jungen Erwachsenen und Jugendlichen. Gleichzeitig nehmen weniger Jugendliche und junge Erwachsene die Angebote von Suchtberatung und Frühintervention wahr, denn der bisherige Zugang über Polizei und Justiz ist weggefallen, ohne dass alternative Zugangswege geschaffen worden sind. Damit entsteht ausgerechnet in einer Hochrisikogruppe eine Versorgungslücke.“
„Für die qualifizierte Entzugsbehandlung und Rehabilitation fehlt es in Deutschland an Behandlungsplätzen. Besonders massiv ist die Versorgunglücke für Kinder und Jugendliche, die an problematischem Cannabiskonsum oder Abhängigkeit leiden.“
„Ohne gezielte fachliche Unterstützung kann sich ein problematischer Konsum rasch chronifizieren – mit gravierenden Folgen wie schulischem Leistungsabfall, sozialem Rückzug und psychischen Belastungen.“
„Drogenkonsumierende Jugendliche ab dem Alter von ca. 12 Jahren stellen eine sehr vulnerable Gruppe dar, die derzeit aufgrund gesetzlicher Bestimmungen, politischer Vorgaben und aktuell existierender Versorgungsstrukturen weder im Rahmen des Gesundheits- noch des Kinder- und Jugendhilfesystems adäquat versorgt und behandelt werden können. Hierzu sollte zunächst eine belastbare Datenbasis geschaffen werden, die mindestens folgende Aspekte umfasst: Anzahl wiederholt wg. Drogenintoxikation behandelten Jugendlichen in Versorgungskliniken Pädiatrie und Kinder- und Jugendpsychiatrie, die in Inobhutnahmeeinrichtungen oder auf der Straße leben; Anzahl der drogenkonsumierenden Jugendlichen in Inobhutnahmeeinrichtungen und allen anderen Einrichtungen der Jugendhilfe. Aufgrund dieser Datenbasis sollte dann eine gezielte Problemanalyse mit der Ableitung von möglichst effektiven und innovativen Versorgungsangeboten erfolgen.“
„Ohne gezielte fachliche Unterstützung kann sich ein problematischer Konsum rasch chronifizieren – mit gravierenden Folgen wie schulischem Leistungsabfall, sozialem Rückzug und psychischen Belastungen.“
Forderung nach Absenkung des Strafmündigkeitsalters
„Die Instrumentalisierung von Kindern zur Begehung von Verbrechen, wie es in Schweden im Zuge der Bandenkriminalität geschieht, ist zuallererst eine Kindeswohlgefährdung. Die Herabsetzung des Strafmündigkeitsalters kann dabei nicht die Lösung sein, sondern würde die Problematik erneut auf den Rücken der Kinder verlagern. Kinder sind keine kleinen Erwachsenen und dürfen daher nicht in gleichem Maße für ihre Taten verantwortlich gemacht werden. Zudem gibt es keine wissenschaftlichen Belege für eine abschreckende Wirkung durch „Wegschließen“. Ziel muss sein, Kinder vor Gewalt und Missbrauch zu schützen. Wenn sie früh Straftaten begehen, brauchen sie in hohem Maße Unterstützung durch pädagogische und ggf. auch therapeutische Begleitung. Die entsprechenden kriminellen Strukturen müssen bekämpft werden.“