25|06|2026

Schutz, Befähigung und Teilhabe für Kinder und Jugendliche in der digitalen Welt sind essentiell für ihre psychische Gesundheit

Wissenschaftliche Fachgesellschaft und Verbände der Kinder- und Jugendpsychiatrie unterstützen Handlungsempfehlungen der Expertenkommission

Die Expertenkommission der Bundesregierung „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ hat der Bundesfamilienministerin 56 Handlungsempfehlungen überreicht. Ziel ist, einen Rahmen zu schaffen, innerhalb dessen Kinder und Jugendliche Medien sicher, alters- und entwicklungsangemessen für sich nutzen können. Dafür benennt die Kommission Akteure und zeigt Ansatzpunkte auf.

„Für junge Menschen ist Digitalität Lebensrealität. Daher muss die Regulierungsdebatte Chancen, aber auch Risiken des Mediengebrauchs einbeziehen. Wir brauchen einen breiten gesellschaftlichen Konsens, dass ein altersinadäquater oder übermäßiger insbesondere passiver Medienkonsum für Kinder und Jugendliche schädlich ist. Besonders wichtig sind gezielte, evidenzbasierte Präventionsangebote für Kinder und Jugendliche, die problematische Mediennutzung zeigen oder auf sie zusteuern“, ist Prof. Dr. med. Michael Kölch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e.V. (DGKJP) überzeugt. „Die Empfehlung der Kommission, die Begriffe „universelle“, „selektive“ und „indizierte Prävention“ gesetzlich im SGB V zu verankern, begrüßen wir daher außerordentlich. Darüber hinaus brauchen wir auch angesichts sich wandelnder Lebensumstände Begleitforschung dazu, welche Prävention für wen am besten wirkt.“

„Gerade Soziale Medien bieten jungen Menschen Möglichkeiten der Teilhabe wie Austausch mit Peers, was z.B. auf dem Land schwierig sein kann, sowie Bildungschancen durch Informationsgewinnung“, weiß Dr. med. Marianne Klein, Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Leitenden Klinikärztinnen und -ärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e.V. (BAG KJPP). „Daher fordern wir die Flankierung von zunehmender Nutzung digitaler Medien durch zunehmende Befähigung entlang der gesamten Bildungskette. Das schließt die Stärkung der Medienkompetenzen von Eltern und den Verantwortlichen im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialwesen ein. Ebenfalls entscheidend für eine gesunde psychische Entwicklung sind attraktive analoge Freizeitangebote.“

„Gesetzliche Vorgaben für Plattformbetreiber und Industrie, z.B. hinsichtlich suchtfördernder Algorithmen und manipulativer Designs, sind unabdingbar, und bestehende Regeln müssen durchgesetzt werden“, stellt Dr. med. Gundolf Berg, Vorsitzender des Berufsverbands für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland e.V. (BKJPP) fest. „Dazu gehört auch eine wirksame und datenschutzgerechte Altersbestimmung unter Wahrung der Grundrechte, wie sie die Kommission fordert.“

„Die Expertenkommission empfiehlt vieles, was wir in unserer Stellungnahme ebenfalls herausgearbeitet haben“, sind sich Kölch, Klein und Berg einig. Dazu gehört z.B. kein Medienkonsum für die Kleinsten, Training von Selbstregulation und Sozialkompetenz als Resilienzfaktoren sowie die Förderung niedrigschwelliger psychiatrischer und psychotherapeutischer Früherkennung. Daher wünschen sie sich eine zügige Umsetzung zum Wohl der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.

Gemeinsame Stellungnahme zur Nutzung digitaler Medien und psychischer Gesundheit von Kindern und Jugendlichen