15|10|2026

Psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in den Fokus nehmen

Psychische Erkrankungen sind in unserer Gesellschaft noch viel zu oft stigmatisiert, was eine optimale Versorgung von Betroffenen erschwert. Dabei beginnen die Hälfte aller längerfristigen psychischen Erkrankungen bereits im Kindes- oder Jugendalter und haben oft lebenslange Auswirkungen auf die mentale und körperliche Gesundheit als auch auf die gesellschaftlichen Teilhabemöglichkeiten von Betroffenen.

„Eine frühe und gute Versorgung kann also nicht nur viel Leid vermeiden, sondern auch präventiv wirken und somit längeren Krankheitsverläufen mit erheblichen Kosten entgegenwirken“ sagt Prof. Dr. Michael Kölch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP). Er fordert dringend eine nationale Präventionsstrategie für die mentale Gesundheit junger Menschen.

Die Behandlung von psychisch kranken Kindern und Jugendlichen ist oft komplexer als die von Erwachsenen, weil verschiedene Systeme eng zusammenarbeiten und Informationen austauschen müssen um eine kontinuierliche Behandlung gewährleisten zu können. Dazu zählen die Kinder, ihre Eltern und die Schule, die kinder- und jugendpsychiatrische Praxis oder Klinik, Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut:innen und nicht zuletzt die Kinder- und Jugendhilfe. Dieses Zusammenspiel der unterschiedlichen Systeme braucht eine bessere Verzahnung, denn es geht nicht einfach um „mehr Betten“ für Kinder und Jugendliche, sondern um eine bessere (teil-)stationäre oder ambulante Versorgung.

Auch sollte die universelle Präventionsarbeit bereits bei Kindern und Jugendlichen ansetzen, denn so können Frühwarnzeichen erkannt und eine indizierte oder selektive Präventionsmaßnahme eingeleitet werden. Prävention und eine zeitnahe auf die Patient:innen angepasste Versorgung leistet nicht nur einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Teilhabe von Kindern und Jugendlichen, sie verringert auch das Risiko für spätere Auswirkungen einer psychischen Erkrankung im Erwachsenenalter.

Unter dem Motto „Miteinander statt nebeneinander – für eine Gesellschaft, in der jede Psyche zählt“ findet vom 10. bis 20. Oktober 2026 die bundesweite Woche der Seelischen Gesundheit statt. Das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit, dem auch die DGKJP angehört, setzt seit 20 Jahren neue Impulse für Prävention, Teilhabe und eine nachhaltige Versorgung.