Gemeinsame Stellungnahme zur Evaluation des Konsumcannabisgesetzes: Vorläufige Daten erlauben keine Entwarnung
Der zweite Zwischenbericht des Forschungsprojekts Evaluation des Konsumcannabisgeset-zes, kurz EKOCAN, vermittelt zwar auf den ersten Blick eine beruhigende Botschaft zu den Auswirkungen des Konsumcannabisgesetzes: So sei der Cannabiskonsum seit der Legalisie-rung im April 2024 nicht weiter angestiegen, bei Kindern und Jugendlichen lasse sich sogar ein leichter Rückgang beobachten. Bei näherer Betrachtung erweisen sich diese Aussagen jedoch als wenig belastbar, da die Datenbasis, so die drei medizinischen Fachgesellschaf-ten DGPPN, DG-Sucht und DGKJP, grundlegend unzureichend sei. Von einer Entwarnung hinsichtlich negativer Auswirkungen könne daher derzeit nicht gesprochen werden. Zeit-gleich fordern die Fachgesellschaften, dass die in EKOCAN enthaltenen Hinweise auf durch-aus problematische Entwicklungen wie z. B. die mögliche Zunahme cannabisassoziierter Störungen deutlich als solche gekennzeichnet und kommuniziert werden.
Das Konsumcannabisgesetz (KCanG), zum 1. April 2024 in Kraft getreten, regelt den Umgang mit Cannabis zu Konsumzwecken im Rahmen des privaten Eigenanbaus sowie des nicht-ge-werblichen Anbaus von Cannabis in Anbauvereinigungen; KCanG hat den Besitz und Anbau von Cannabis in bestimmten Grenzen legalisiert. Auflage des Gesetzgebers bei Verabschie-dung war eine enge wissenschaftliche Begleitung dieser Teillegalisierung; das Forschungs-projekt Evaluation des Konsumcannabisgesetzes, kurz EKOCAN, hat am 1. April 2026 seinen nunmehr zweiten Zwischenbericht veröffentlicht.
Die Fachgesellschaften Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychoso-matik und Nervenheilkunde (DGPPN), Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Sucht-therapie (DG-Sucht) und die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psy-chosomatik und Psychotherapie (DGKJP) bewerten diesen zweiten EKOCAN-Zwischenbericht als wichtigen, aber in mehrfacher Hinsicht vorläufigen und teilweise zu optimistisch interpre-tierten Baustein; nicht jedoch als belastbare Grundlage für eine Bewertung der deutschen Cannabispolitik. Das grundlegende Problem dafür liegt in der Datenbasis. Einige der reprä-sentativen Studien, z.B. der ESA, wurden zeitlich unmittelbar vor bzw. kurz nach der Legali-sierung Mitte 2024 erhoben und bilden damit im Kern lediglich eine Momentaufnahme rund um den Zeitpunkt der Gesetzesänderung ab. Andere repräsentative Studien, z. B. DAS, wur-den in 2025 erhoben. Es gibt kein jährliches Monitoring durch diese repräsentativen Studien. Neue belastbare Daten werden erst für 2027 erwartet. Vor diesem Hintergrund, so sind sich die Fachgesellschaften einig, sind Aussagen über stabile oder gar rückläufige Konsumtrends seit der Legalisierung derzeit nicht seriös möglich.