20|01|2021

Hilf mir jetzt und morgen auch

Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie während und nach der Pandemie

Pressemitteilung DGKJP

Kinder und Jugendliche mit psychischen Störungen müssen auch während der Restriktionen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie Zugang zu Diagnostik, Therapie und psychosozialen Hilfen erhalten. Weiterhin müssen besonders gefährdete und benachteiligte Kinder und Jugendliche identifiziert werden, um die Entwicklung psychischer Störungen verhindern zu können.

Viele – jedoch nicht alle – Kinder und Jugendliche erleben die Veränderungen und Folgen der Pandemie emotional belastend. Es ist aktuell noch ungeklärt, inwieweit hieraus zusätzliche behandlungsbedürftige psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen entstehen. Erste Studien weisen darauf hin, dass insbesondere Kinder mit bestehenden psychischen Störungen und Kinder in schwierigen psychosozialen Situationen unter der Pandemie leiden.

Wohingegen kurzdauernde Lockdown-Maßnahmen sich nicht nachhaltig negativ auf die psychische Gesundheit auswirken, besteht infolge des nun bestehenden Erfordernisses für langandauernde Restriktionen eine besondere Gefährdung für Kinder und Jugendliche. Belastungsfaktoren können bestehen in der sozialen Isolation von Gleichaltrigen, der Reduktion von körperlicher Aktivität, oder in häuslichen Konflikten. Faktoren, die das generelle Risiko für das Auftreten einer psychischen Störung erhöhen sind Armut und Bildungsferne der Eltern, bestehende psychische Erkrankungen der Eltern, negative Kindheitserfahrungen wie Vernachlässigung, Misshandlung und Missbrauch sowie schulische Überforderung und Mobbingerfahrungen. Letztere sind in der Pandemie insbesondere mit Blick auf Cybermobbing in den sozialen Medien zu beachten. Eingeschränkte Unterstützungsangebote für sozial schwächere Familien und beengte Wohnsituationen können zu anhaltenden Spannungen führen. Ist die Inanspruchnahme von Freizeit-, Betreuungs-, Beratungs- und anderen Unterstützungsmaßnahmen für derart vorbelastete Kinder und Jugendliche pandemiebedingt eingeschränkt, können sich psychische Störungen eher entwickeln oder weiter verschlechtern.

Die Bedingungen der Pandemiemaßnahmen erfordern somit für einzelne Risikogruppen besondere Unterstützung. Aktuell ist davon auszugehen, dass Familien Unterstützungsangebote nur verzögert in Anspruch nehmen. Rechtzeitige Diagnostik, ambulante, teilstationäre und stationäre Behandlungsangebote, der Einsatz von Telefon- und Videosprechstunden, Angebote der Kinder- und Jugendhilfe und begleitetes Homeschooling sind wichtige Elemente der Versorgung und haben für Bedürftige und ihre Familien auch während der Pandemie hohe Priorität.

Alle jungen Menschen können im Umgang mit dem Lockdown unterstützt werden: Feste Tagesstrukturen geben Orientierung. Regelmäßige Treffen mit den definierten Kontaktpersonen (soweit zulässig) sowie Onlinetreffen mit Freunden und Familienangehörigen helfen den Alltag neu zu strukturieren. Auf ausreichend Bewegung an der frischen Luft ist zu achten. Vielen Familien gelingt es, die Zeit mit Spielen, Backen, Basteln gemeinsam zu gestalten. Kinder und Jugendliche stellen Fragen zur Pandemie, zu Krankheit und Tod, ehrliche und transparente Antworten sind hier wichtig und verkraftbar.

Hinweise und Tipps, die Eltern und Kindern in Zeiten der Pandemie helfen können, finden Sie z.B. in Hilfreiche Tipps für Eltern zu Stressprävention in Zeiten des Corona-Virus, Beratung von Familien in Zeiten des pandemiebedingten Ausnahmezustands und unter Corona und Du, ein Infoportal darüber, wie man psychische Belastungen reduzieren kann.

Bedürftige Schüler*innen benötigen seitens der Schule oder Kommune eine entsprechende Hardwareausstattung. Insbesondere zur Aufrechterhaltung des Kinderschutzes ist Onlinekommunikation nötig, wenn persönliche Kontakte und aufsuchende Hilfen infolge der Restriktionen nur noch bedingt möglich sind.

Schon heute muss der Umgang mit der Situation in Zukunft in den Blick genommen werden. Nur so lassen sich mögliche Auswirkungen der Pandemie auf betroffene Kinder, Jugendliche und ihre Familien geringhalten. Häufig wird bei der Bewertung der präventiven Corona-Maßnahmen vergessen: Das Erleben von vielen Todesfällen erhöht die Wahrscheinlichkeit für eine posttraumatische Belastungsstörung. Es bedarf einer Strategie, wie mit diesen und anderen verbundenen Pandemiefolgen umzugehen ist. Hierzu ist kinder- und jugendpsychiatrische und -psychotherapeutische Kompetenz und wissenschaftliche Expertise nötig. Leistungen müssen aus unterschiedlichen Bereichen wie der Medizin, der Kinder- und Jugendhilfe, Suchtberatung und -behandlung und Frühen Hilfen erfolgen.

Die DGKJP setzt sich besonders für jene junge Menschen ein, die an ihren Entwicklungsaufgaben zu scheitern drohen, um ihre zukünftige Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu stärken. Hierfür engagiert sich die DGKJP gegenüber der Politik und bringt sich durch Stellungnahmen und Beratung zu Fragen der Pandemie ein.

Kontakt
DGKJP e.V.
Reinhardstraße 27B
10177 Berlin
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